Obwohl ältere Menschen ihren Lebensabend lieber in einer betreuten Umgebung verbringen möchten, ist ein Umzug später in ein Pflegeheim nicht unwahrscheinlich. Ideal wäre eine Kombination beider Wohnformen – aus medizinischer und wirtschaftlicher Sicht.

In Deutschland stehen rund 915 000 vollstationären Pflegeplätzen 360 000 betreute Wohnungen gegenüber (Stand 20211). Damit widerspricht das verfügbare Angebot dem mehrheitlichen Wunsch der älteren Generation, möglichst lange selbstbestimmt und wenn zuerst in einer betreuten Wohnung zu leben.

Laut einer Umfrage2 aus dem Jahr 2020 möchte rund jede fünfte befragte Person der Generation 50+ im Alter von 70 Jahren oder älter in einer betreuten Wohnung leben, gerne auch mit Pflegeheimanschluss. Nur 15% der Befragten möchten dagegen in ein Pflegeheim ziehen.

Es fehlen mehr als eine Million betreute Wohnungen
Immobilienexperten schätzen, dass deutschlandweit der Bedarf an betreuten Wohnungen bei 4,5% der über 65-Jährigen liegt. Bei rund 18,6 Millionen Einwohnern (Stand heute) dieses Alterssegments ergibt sich daraus ein aktueller Bedarf von 840 000 betreuten Wohnungen. Bei aktuell 360 000 vorhandenen Wohnungen besteht damit ein aktueller Zusatzbedarf von 480 000 betreuten Wohnungen. Aufgrund des demographischen Wandels werden 2035 sogar über eine Million betreute Wohnungen benötigt. Dies entspricht einem zusätzlichen Bedarf von rund 680 000 betreuten Wohnungen bis 2035.

Ebenso wird der Bedarf an Pflegeheimplätzen in Deutschland gemäss Wüest Partner bis 2035 um 157 000 Plätze auf knapp über eine Million anwachsen. Vergleicht man den zusätzlichen Bedarf an Pflegeheimen (+ 17%) mit dem an betreuten Wohnungen (+ 189%) bis 2035, zeigt sich bei letzterem ein enormer Nachholbedarf.

Bedarf Wohnformen für Senioren

Darstellung vom Bedarf an Plfegeheimplätzen gegenüber betreuten Wohnungen.

Quellen: PM Pflegemarkt, Rat der Immobilienweisen, Wüest Partner, Oxford Economics, Swiss Life Asset Managers

Die Baubranche reagiert
Die Baubranche bleibt nicht untätig und spiegelt sowohl den Bedarf als auch die Präferenzen der Zielgruppe wider. Ende Dezember 2021 entfiel der Grossteil (rund 40%) der im Bau und in der Planung befindlichen Pflegeeinrichtungen auf betreutes Wohnen. 

Neubauprojekte im Bau und in der Planung, Stand Dezember 2021

Darstellung von im Bau und in der Planung befindlichen altersgerechten Wohnungen. Grösster Anteil der Immobilien im Bereich betreutes Wohnen.

Quelle: PM Pflegemarkt

Vorteile für Bewohnende und Betreibende
Die Kombination von betreutem Wohnen und Pflegeheim hat verschiedene Vorteile. Zum einen gestaltet sich der Übergang von der einen in die andere Betreuungsform reibungsloser in Bezug auf die medizinische Versorgung und fachliche Betreuung. Dies gilt insbesondere mit Blick auf Demenzkranke, zu denen heute rund jede zweite im Pflegeheim wohnende Person zählt. So stuft das zuständige Bundesministerium betreutes Wohnen bei Demenzkranken als Übergang zur stationären Langzeitpflege ein.

Zum anderen ist die Kombination der beiden Betreuungsvarianten aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, was vor allem grössere Betreiber bereits erkannt haben. Gemäss Jones Lang LaSalle steigt seit Jahren die Zahl der Heime, bei denen neben dem Pflegebereich auch ein Alten(wohn)heim oder betreutes Wohnen angeschlossen ist.

Steigende Wettbewerbsfähigkeit, mehr Umsatz
Derzeit bieten 15% aller geplanten Neubauten im deutschen Gesundheitsbereich eine Kombination von betreutem Wohnen und Pflegeheim. Betreiber von Einrichtungen mit beiden Wohnformen können nicht nur umfassendere und vielfältigere Leistungen anbieten, sondern profitieren auch von Synergien im Personalmanagement. All dies steigert Wettbewerbsfähigkeit, Umsatz und Rendite.

Einige Betreiber gehen sogar noch einen Schritt weiter und bieten ihren Mitarbeitern Zimmer oder Apartments an. Damit schaffen sie in Zeiten des Fachkräftemangels einen starken Anreiz im Wettbewerb um Personal. Positiver Nebeneffekt von Mitarbeiterwohnungen: Sie helfen, hausinterne Leerstände zu vermeiden, und sichern den Cashflow.

Angesichts der erwarteten Entwicklungen der Branche dürfte sich gerade die Kombination aus betreutem Wohnen und stationärer Pflege, gegebenenfalls erweitert um Mitarbeiterzimmer, zunehmend am Markt etablieren. 
 

1 pm Pflegemarkt.com GmbH
2 BundesBauBlatt

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