Die Währungen von Schwellenländern haben seit Jahresbeginn stark zugelegt, getrieben von den Bestrebungen, sich von US-Anlagen zu diversifizieren.
In einem wirtschaftlich und politisch schwierigen Umfeld zeigen sich die Schwellenländer bemerkenswert widerstandsfähig. Mehrere Faktoren deuten darauf hin, dass diese Dynamik anhalten dürfte.
Erstens blieben die meisten Schwellenländer bei den US-Zöllen von den härtesten Massnahmen verschont. Staaten wie Südkorea, Vietnam, Indonesien, die Philippinen, Malaysia und Thailand konnten mit den USA Abkommen aushandeln, die zu einer Reduktion der am 2. April angekündigten Zölle führten. Diese Länder sehen sich nun mit Zolltarifen zwischen 10% und 20% konfrontiert – ein insgesamt verkraftbares Niveau. Weniger Glück hatten Brasilien und Indien, die mit Zöllen von bis zu 50% belastet wurden. Brasilien konnte sich jedoch für einen Grossteil seiner Exporte Ausnahmen erwirken, wodurch die wirtschaftlichen Folgen abgefedert wurden. Indien, das für seine Ölimporte aus Russland mit deutlich höheren Zöllen belegt wurde als andere asiatische Länder, sieht sich mit Wettbewerbsnachteilen konfrontiert, die die potenziellen Vorteile der „China+1“-Strategie infrage stellen. Gleichzeitig zeichnen sich jedoch erste Zeichen einer Annäherung zwischen Indien und China ab. Diese könnten die negativen Effekte der US-Zölle durch neue Investitionen und Produktivitätsgewinne teilweise ausgleichen.
Zweitens präsentiert sich die chinesische Wirtschaft als ausgesprochen robust. Im August lagen die chinesischen Exporte im bisherigen Jahresverlauf 5.9% über dem Vorjahresniveau – und das trotz US-Zöllen von über 40%. Zudem bleibt das verarbeitende Gewerbe widerstandsfähig und unterstreicht Chinas erfolgreichen Wandel hin zu einem technologiegetriebenen Wachstum. Das Land ist heute weltweit führend bei Elektrofahrzeugen, Solarmodulen und Batteriespeichern und hält über 50% des globalen Marktanteils in den Bereichen Chemie, Schiffbau, Industrierobotik, Drohnen und Biotechnologie.
Drittens bleibt die Binnennachfrage trotz des Drucks auf die Auslandsnachfrage stark. Die sinkende Inflation stärkt die Kaufkraft und eröffnet den Zentralbanken Spielraum für eine lockerere Geldpolitik, was Investitionen begünstigt. Die Aufwertung der Währungen von Schwellenländern im Zuge der Diversifikation weg vom US-Dollar und der Zustrom günstiger chinesischer Güter dürften dazu beitragen, die Inflation weiterhin unter Kontrolle zu halten.
Schliesslich gelten Emerging Markets vor dem Hintergrund der Diversifikation von Anlagen ausserhalb der USA als attraktive Investitionsmöglichkeit. Dies spiegelt sich in anhaltenden Zuflüssen in die Anlageklasse sowie in den Anleihespreads wider, die auf dem niedrigsten Stand des Jahres liegen. Zwar erscheinen die Bewertungen angespannt, doch das solide makroökonomische Umfeld, der schwache Dollar und die starke Nachfrage wirken weiterhin unterstützend.
* Misst die Gesamtrendite eines Korbs von Schwellenländerwährungen gegenüber dem Dollar, gewichtet nach dem MSCI-EM-Aktienindex. Bezieht Wechselkursschwankungen und lokale Zinsen mit ein.
Quellen: Macrobond, Swiss Life Asset Managers. Letzter Datenpunkt: 10.10.2025
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