Jeden Tag gewinnt Cory aus Londons Kehricht genug Strom, um 200 000 Haushalte damit zu versorgen. Doch die Energieerzeugung ist nur ein Teil der Geschichte. Das Unternehmen entwickelt innovative Lösungen, um den Übergang zu einer zirkuläreren, kohlenstoffarmen Wirtschaft zu beschleunigen. Wie das geht, erfahren wir im Interview.

Bei den meisten ESG-Erfolgsgeschichten ist die Nachhaltigkeit direkt ins Geschäftsmodell eingebettet. Das trifft auch auf Cory zu. Das Unternehmen spielt eine Schlüsselrolle in Londons Abfall- und Energieinfrastruktur und erkundet gleichzeitig neue Möglichkeiten bei der CO2-Abscheidung und der kohlenstoffarmen Wärmeerzeugung. Wir haben mit Scott Springett, Senior Asset Manager bei Swiss Life Asset Managers, über den Beitrag des Unternehmens zur Kreislaufwirtschaft und zur Energiewende gesprochen.

Scott, was passiert mit Londons Abfällen, nachdem sie abgeholt wurden?

Die meisten von uns denken selten darüber nach, was mit unserem Abfall passiert, nachdem er eingesammelt wurde. Doch die Abfallwirtschaft ist essenziell, um Städte am Laufen zu halten. Cory bietet einen unverzichtbaren Service, auf den Londons Gemeinschaften, Unternehmen und lokale Behörden tagtäglich angewiesen sind, der aber weitgehend unbemerkt bleibt.

Doch Cory macht weit mehr, als nur Abfall einzusammeln. Das Unternehmen transportiert den Abfall auf Binnenschiffen zu Anlagen ausserhalb der Stadt, wo er in Energie umgewandelt wird. Dieser Prozess erzeugt nicht nur genug Strom, um 200 000 Haushalte zu versorgen, sondern gewinnt auch Materialien für Neubauten zurück.

Bei Cory geht es also um viel mehr als nur um Abfallwirtschaft?

Genau. Eine der grössten Herausforderungen bei der Nachhaltigkeit moderner Städte ist der Umgang mit Abfallstoffen, die derzeit nicht wiederverwendet oder recycelt werden können. Während Abfallvermeidung und -recycling weiterhin Priorität haben, wird es auch weiterhin Reststoffe geben, die eine nachhaltige Bewirtschaftung erfordern. Corys Aufgabe besteht darin, diese Reststoffe nicht als Deponieabfall, sondern als wertvolle Ressource zu betrachten und nutzbar zu machen. Durch die Energierückgewinnung aus Reststoffen schafft Cory Wert aus Materialien, die sonst verloren gingen.

Begründet sich darin Corys ökologischer Mehrwert?

Ja, sicherlich teilweise. Besonders spannend ist, dass ökologische und kommerzielle Wertschöpfung miteinander verzahnt sind. Nachhaltigkeit ist für das Unternehmen keine eigenständige Initiative, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Wertschöpfung.

Wollen Sie Cory in Aktion sehen? Begleiten Sie den Insider auf seinem Besuch im Unternehmen.

The Insider in London | veröffentlicht am 11. August 2026 | Für Untertitel auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch klicken Sie auf «cc».

Das Thema CO2-Abscheidung erhält derzeit viel Aufmerksamkeit. Könnte diese Technologie Corys Beitrag zum Umweltschutz auf die nächste Stufe zu heben?

Sie beinhaltet das notwendige Potenzial. Der Übergang zu einer Netto-null-Wirtschaft erfordert mehr als nur Strom aus erneuerbaren Quellen. Es wird auch Technologien brauchen, die in der Lage sind, die Emissionen von Sektoren zu adressieren, in denen die Alternativen nach wie vor begrenzt sind. Und die CO2-Abscheidung hat das Potenzial, zu einer der Grundlagentechnologien für den Klimaschutz und damit zu einer Form wesentlicher Infrastruktur zu werden.

Warum liegt dieser Schritt für Cory so nahe?

Weil die Technologie auf der bestehenden Rolle des Unternehmens bei der Ressourcenrückgewinnung und der Umweltinfrastruktur aufbaut. Indem Cory die CO2-Abscheidung integriert, können Emissionen der Stadt London, die im Zusammenhang mit der Abfallbehandlung entstehen, deutlich gesenkt und gleichzeitig eine wichtige Dienstleistung erbracht werden. 

Was zeichnet Corys Ansatz aus?

Corys Pläne zur CO2-Abscheidung sind wegen ihrer möglichen Auswirkungen besonders interessant. Mit der für 2030 geplanten Inbetriebnahme des Projekts dürfte Cory jährlich 1,4 Millionen Tonnen CO2 abscheiden können. Darüber hinaus kann das aus erneuerbaren Quellen abgeschiedene CO2 zum Ausgleich anderer Emissionen verwendet werden, wodurch die Anlage netto CO2-negativ ist.

Projekte dieser Grössenordnung sind herausfordernd. Welches sind die grössten Hürden für Cory und die Investoren?

Die Realisierung eines Projekts dieser Grösse erfordert erhebliche Investitionen, langfristige Planung und eine enge Zusammenarbeit zwischen einer Vielzahl von Stakeholdern, darunter Regulierungsbehörden, lokalen Behörden und Gemeinschaften. Cory profitiert jedoch von einer starken operativen Erfolgsbilanz, etablierten Partnerschaften und einer Infrastruktur, die für Londons Abfallwirtschaftssystem bereits entscheidend ist und eine solide Grundlage für die nächste Entwicklungsphase bildet.

Was begeistert Dich über die CO2-Abscheidung hinaus?

Die CO2-Abscheidung zieht zwar grosse Aufmerksamkeit auf sich, eine der spannendsten Möglichkeiten bei Cory besteht aber darin, die grosse Wärme zu nutzen, die im Betrieb erzeugt wird. Cory hat das Potenzial, jährlich rund 2,4 TWh Wärme zu erzeugen – genug, um 300 000 Wohnungen in London zu heizen.

Und welchen Beitrag leistet Cory, die nächste Generation kohlenstoffarmer Wärmelösungen zu erschliessen?

Cory arbeitet an verschiedenen Plänen, um diese Chance zu verwirklichen. Eine Option ist die Einspeisung von Wärme in ein lokales Fernwärmenetz in Thamesmead und Barking Riverside, eines der grössten Regenerationsprojekte Londons. Das Unternehmen arbeitet zudem mit mehreren Stakeholdern zusammen, darunter die Stadt London, Greenwich und das Bürgermeisteramt, um eine 23 km lange strategische Wärmeleitung zu entwickeln. Damit könnte Cory potenziell Kunden, deren Abfälle es zur Wärmeerzeugung verarbeitet hat, wie der Stadt London selbst, kohlenstoffarme Wärme liefern. Das ist ein hervorragendes Beispiel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Diese Initiativen zeigen, wie sich Infrastruktur laufend weiterentwickeln kann.

Was stimmt Sie für Corys langfristige Zukunft optimistisch?

Für uns steht Cory für die Art von Infrastrukturanlagen, die wir für unsere Kunden suchen: Investitionen in essenzielle Anlagen, die reale Herausforderungen lösen und gleichzeitig robusten langfristigen Wert schaffen. Sein Investment Case beruht nicht nur auf der Infrastruktur, die Cory heute betreibt, sondern auch auf seiner Fähigkeit, laufend Innovationen vorzunehmen und sich an eine ressourceneffizientere Zukunft anzupassen. Da Städte die Kreislauffähigkeit, die Energiesicherheit und die Umweltperformance verbessern wollen, glauben wir, dass Cory gut aufgestellt ist, um Gemeinschaften, Kunden und Anlegern langfristig robusten Mehrwert zu bieten. 

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