Mit dem voranschreitenden Ausbau der erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind werden Energiespeicher immer wichtiger. Prof. Rico Wojanowski, Gründer und Partner von Upside, spricht über aktuelle Technologien bei Batteriespeichern und ihre Aufgabe, für eine gleichmässige Verfügbarkeit von Strom zu sorgen.
Wie ist Ihr Unternehmen entstanden?
Das Ganze war ein langer Entwicklungsprozess, mit dem wir uns schon ab den 2000er Jahren auseinandergesetzt haben, als wir erkannten, dass die reine Energie aus Erneuerbaren, in unserem Fall Sonne und Wind, auch Probleme mit sich bringt, dass sie nicht immer nur die Unterstützung für den Energiesektor ist, sondern ebenso in der Lage ist, zur falschen Zeit die falsche Energiemenge zu produzieren. Wir haben uns damals sehr viel damit beschäftigt und uns gefragt, welche Technologie auf der Batterieseite wirklich zu den Erfordernissen des Markts passt.
Wir waren mit Redox-Flow-Technologien unterwegs, haben uns mit Blei und Lithium befasst und gemerkt, dass es eine erprobte Technologie sein muss. Eine Technologie, die langen Investitionsanforderungen genügt, auf zwanzig Jahre ausgelegt ist und mit den Erfordernissen des Markts auch mitwachsen kann. Dadurch sind wir sowohl bei Blei als auch bei Lithium zu einer gesunden Mischung gelangt.
Batteriespeicherung war somit bereits sehr früh eines Ihrer Forschungsthemen?
Dem ist so. Die Firma hat ihre Ursprünge in den Erneuerbaren. Wir haben Solaranlagen gebaut und tun das auch heute noch. Das ist also einer unserer Eckpfeiler. Aber wir sind eben durch die rasche Entwicklung des Batteriemarkts immer stärker in diese Batteriespeicherthematik hineingewachsen.
Die Batterien, die Sie verwenden, enthalten Lithium und/oder Blei. Wie sieht da – auch mit Blick auf Abhängigkeiten und Verfügbarkeit – die Zukunft aus?
Wir sind keine Hersteller, wir kaufen immer am Markt hinzu. Wir sind offen gegenüber neuen Technologien. Uns ist dabei wichtig, dass sie etwas wert sind. Wir sind auf Blei und Lithium fokussiert, weil wir da die Erfahrung haben, die uns voraussichtlich auch eine lange Investitionszeit ermöglicht. Dass eine Knappheit in diesen Leittechnologien auftreten könnte, ist derzeit nicht absehbar. Nicht zuletzt deshalb, weil es bei der Bleitechnologie eine fast hundertprozentige Recyclingquote gibt. Das ist ein stetiger Kreislauf, der ein Wachstum auch künftig noch ermöglicht. In der Lithiumtechnologie gibt es zwar immer wieder Diskussionen. Zurzeit sehen wir aber nicht den strategischen Engpass in der Versorgung. Wir können uns jedoch vorstellen, in Zukunft auch auf andere Technologiearten zu wechseln, wenn diese nachgewiesenermassen erprobt und zuverlässig sind. Bei den Batteriespeichern ist es immer relativ leicht, auf eine andere Technologie zu wechseln, weil sie sehr modular aufgebaut sind: Es gibt die Batterie, den Wechselrichter und den Netzanschluss. Und wenn eine der Komponenten ausgetauscht wird, dann ist das lediglich ein Anwendungsproblem, aber kein technologisch kritischer Aspekt.
Doch der allgemeine Trend geht zurzeit sehr stark zu Lithium. Wir nehmen Blei künftig eher als Beimischung, um bestimmte Produktarten auf dem Energiemarkt mitanbieten zu können. Die Bedeutung von Lithium wird mittelfristig auch so bleiben. Das heisst nicht, dass es nicht schon bessere Technologien in der Entwicklung und in der Forschung gibt, aber sie müssen sich natürlich auch am Markt durchsetzen. Und das sehen wir zurzeit bei keiner der anderen Technologien wirklich sofort auf uns zukommen.
Konzentrieren Sie sich weiterhin auf den deutschen Markt oder gibt es Pläne für andere europäische Länder?
Deutschland ist für uns der Kernmarkt, den wir uns entwickelt haben und den wir mit unserer Kompetenz besetzen. Wir übertragen unsere Erfahrungen gern auf andere Länder, die sich noch in der Entwicklung befinden. Wir haben Ansätze in Polen, in Frankreich und in Irland. Man muss dazu aber immer auch sagen, dass man den lokalen Bezug braucht. Wir werden also nicht als eigener Projektentwickler in Irland versuchen, mit dem dortigen Rechtssystem eine Baugenehmigung zu erwerben. Wir sind immer diejenigen, die sich mit der Technologie investieren.
Aber unser Kernland ist und bleibt erst einmal Deutschland. Und da haben wir auch eine sich weiterhin stark entwickelnde Projektpipeline, die es uns ermöglicht, auch in den nächsten Jahren sehr interessante Projekte wie neue Batteriespeicherparks zu realisieren.
Ist Ihr Unternehmen einzigartig?
Also, in unseren einzelnen Feldern sind wir nicht einzigartig. Was uns ausmacht, ist das Zusammenfügen der Wertschöpfungskette zu einem Gesamtbild, mit dem wir dann gleichzeitig am Markt agieren und trotzdem auf unsere Technologie Rücksicht nehmen beziehungsweise uns damit am Markt positionieren können. Das macht so, zumindest in Deutschland, niemand. Die Wettbewerber sind immer entweder sehr stark Technologie oder sehr stark Markt getrieben. Diesen ganzheitlichen Anspruch, den hat ausser uns keiner.
Würden Sie sagen, dass Upside Menschen dabei unterstützt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen?
Ja, definitiv. Uns sieht zwar der Endkunde nicht. Er sieht nicht, was wir machen. Aber er merkt es spätestens dann, wenn seine Backofenuhr nicht mehr nach- oder vorgeht, sondern die richtige Zeit anzeigt. Wenn die Glühbirne nicht zu flackern anfängt, weil im elektrischen Netz plötzlich ein Mangel auftritt oder zu viel Energie da ist. Von daher arbeiten wir für den Kunden und die Kundin im Hintergrund. Wir stabilisieren das Netz mit unseren Batteriespeichern. Und hoffentlich spürt der Kunde nie, dass wir in einer Notsituation quasi mitunterstützen und eingreifen müssen. Aber wir machen sein Leben dadurch selbstbestimmter, so dass er ganz normal leben und seinen Kuchen dann backen kann, wann er oder sie es will.
Swiss Life Asset Managers hat im Juni 2022 eine Beteiligung an der BCP Battery Holding, einer Gesellschaft für Batteriegrossspeichersysteme (BESS) in Deutschland, erworben. Per Ende 2022 hat BCP Battery Holding drei operative BESS von Upside Invest gekauft, die weiterhin von Upside Consulting betrieben werden. Hier erhalten Sie weitere Informationen zu Upside.
Swiss Life Asset Managers verfügt über einen langen Anlagehorizont in Infrastruktur und verbindet Branchenwissen mit Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit.