Die Zinsen steigen, ohne dass ein Ende in Sicht ist. Da viele Anlageportfolios in den vergangenen Jahren stark auf Negativzinsen ausgerichtet wurden, sollten diese nun überprüft werden. Im Fixed-Income-Bereich sind derzeit Senior Secured Loans interessant. Diese Darlehen profitieren von steigenden Zinsen, sind aber kein risikoloses Renditewunder.

Senior Secured Loans, kurz SSL, unterscheiden sich in einigen wesentlichen Punkten von Unternehmensanleihen. Erstens sind sie keine Bonds, sondern Darlehen von Banken oder anderen institutionellen Kreditgeberinnen an Unternehmen. Daher erfolgt keine Kapitalaufnahme am Anleihenmarkt. Zweitens werden diese Darlehen anders verzinst: Die Zinsen sind nicht festgeschrieben, sondern orientieren sich über eine variable Komponente am aktuellen Zinsumfeld. Drittens geniessen SSL dank verschiedener Mechanismen zur Kreditbesicherung in der Kapitalstruktur der Schuldnerinnen höchste Seniorität. Anlegerinnen in Senior Secured Loans werden also bei einem Zahlungsausfall zuerst bedient.

Steigende Zinsen sind Segen und Fluch zugleich

Die aktuell steigenden Zinsen beeinflussen den Wert festverzinslicher Anleihen negativ. Auf Senior Secured Loans hingegen wirken sie sich grundsätzlich positiv aus. Sie steigern das Zinseinkommen für Investorinnen, da SSL mit variablem Zinssatz einen höheren Zins auszahlen. Doch auch diese Medaille hat zwei Seiten: Mit steigenden Zinsen wächst die Zinsbelastung für Schuldnerinnen, was diese Unternehmen zusätzlich finanziell belastet.

Als High-Yield-Produkt siedeln sich SSL überwiegend unterhalb des Investment-Grade-Ratingsegments an. Sie können daher am ehesten mit riskanteren High-Yield-Anleihen verglichen werden. Swiss Life Asset Managers wählt insbesondere Unternehmen aus dem höchstmöglichen Segment des Non-Investment-Grade-Bereichs, dem so genannten Upper-Tier-Bereich, mit besserer Kreditqualität.

Kreditwürdige Unternehmen für Senior Secured Loans auswählen

Um die Risiken eines Kreditausfalls zu minimieren, sollten die Darlehensnehmerinnen sorgfältig ausgewählt werden. Gerade im jahrelangen Niedrigzinsumfeld konnten viele so genannte «Zombie-Unternehmen» überleben. Im steigenden Zinsumfeld müssen diese herausgefiltert werden, da sie mit der höheren Belastung in Schieflage geraten könnten. Die grossen Ratingagenturen erwarten deshalb bereits steigende Ausfallraten im Vergleich zu den Vorjahren. In den USA, die rund 80% des SSL-Marktes ausmachen, wurden zudem während der Coronapandemie viele Unternehmen mit Staatshilfen davor gerettet, möglicherweise der Rezession zum Opfer zu fallen. Nicht zuletzt müssen auch die Kreditbedingungen, die Covenants, kritisch geprüft werden. Darin wird beispielsweise festgelegt, welche Verschuldung oder welche Zinslast Schuldnerinnen nicht überschreiten dürfen.

In den vergangenen Jahren kamen mit der Suche und der gestiegenen Nachfrage nach Rendite- und Anlagemöglichkeiten im Niedrigzinsumfeld so genannte «Covenant-lite Loans» in Mode. Bei diesen wurden die Kreditbedingungen Schritt für Schritt aufgeweicht. Hiervon sind nach Angaben von S&P Global Market Intelligence mehr als 90% der 2021 ausgegebenen SSL im US-Markt betroffen, der immerhin gut USD 1,3 Billionen schwer ist. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 machten Covenant-lite Loans lediglich 1% des Marktes aus.

Für eine angemessene Bewertung von SSL ist das Verständnis von Marktrisiken, Kreditrisiken und Kreditbedingungen entscheidend. Nur so lässt sich für Investorinnen ein Mehrwert erwirtschaften. Aus Sicht von Swiss Life Asset Managers liegt der Mehrwert auch darin, vorausschauend und selbstbestimmt zu agieren und sich nicht an jeder neuen, vom Markt hochgepriesenen Transaktion zu beteiligen, die womöglich dem nächsten Wirtschaftsabschwung zum Opfer fällt. Diese defensivere Anlagestrategie von Swiss Life Asset Managers hat sich zum Beispiel auch im Jahr des Ausbruchs der Coronapandemie bewährt.

Hier erfahren Sie mehr über die Fixed Income Anlageklasse von Swiss Life Asset Managers.

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