Hotelimmobilien gerieten 2020 stark unter die Räder. Jetzt, da die Sommerferien da sind, versprechen die aufgestaute Nachfrage und «Revenge Travel» sonnigere Zeiten für europäische Hotelbetreiber und Immobilieninvestoren. Allerdings brauchen Geschäftsreisen wohl länger, um sich zu erholen, als der Freizeittourismus.

Der Freizeittourismus dürfte sich diesen Sommer recht stark erholen, da sich die gesundheitliche Lage verbessert. Die verschiedenen nationalen Massenimpfkampagnen, die jüngste Wiederöffnung der Binnengrenzen und die Bemühungen zur Harmonisierung der Gesundheitsvorschriften und der Einreisebedingungen für internationale Reisende sind eine grossartige Nachricht für die Freizeithotelbranche. Dies steht in krassem Gegensatz zur Situation im Sommer 2020, als die Touristen aufgrund der unterschiedlichen gesundheitlichen Lagen und Vorschriften der einzelnen Länder weitgehend innerhalb der Landesgrenzen blieben.

«Revenge Travel»
«Revenge Travel», ein Phänomen, das auch in anderen Verbrauchersektoren auftritt, dürfte in diesem Jahr eine Rolle spielen, da Reisende in einer kräftigen Trotzreaktion auf die 18 Monate andauernden Restriktionen ihre Freiheit feiern. Das zeigt sich bereits in der Statistik: So melden spanische Hotelbetreiber in Freizeitdestinationen – üblicherweise stark abhängig von internationalen Urlaubern – für diesen Sommer sehr viele Buchungen.

Neben den beliebtesten Reisezielen im Sommer scheinen von der Erholung auch Europas Grossstädte zu profitieren, die herkömmlicherweise für Städtetrips beliebt sind. Nach den Lockdowns 2020 und Anfang 2021 gewinnen Paris, Rom, Barcelona, Amsterdam und Berlin ihren Status als Top-Destinationen zurück; andere Städte wie Sevilla machen Boden gut. Die Rückkehr europäischer Touristen ist Musik in den Ohren der Hotellerie in diesen Stadtzentren.

Ein Schub für das Campingsegment
Ein weiterer bedeutender Trend ist das neue Interesse an Outdoor-Unterkünften. Das Campingsegment behauptete sich in der schwierigen Situation im Jahr 2020 relativ gut: Französische Campingplätze, vor allem die stark von einheimischen Touristen abhängigen, verzeichneten einen Rückgang der Einnahmen um etwa 20%. Dem steht ein Rückgang von insgesamt 60 bis 80% bei Hotelbetreibern gegenüber. Die Buchungen haben sich auch 2021 wieder erholt. Der französische Markt – der sowohl das grösste Campingziel ist als auch die grösste Zahl von Campern in Europa verzeichnet (weltweit die Nummer zwei) – dürfte am meisten von diesem Trend profitieren. Insbesondere wird die Wiederöffnung der Grenzen die Rückkehr von ausländischen Touristen (aus der Schweiz, Italien, Deutschland, Belgien usw.) auf französische Campingplätze erleichtern.

Den erfahrenen Campern werden auch Neulinge folgen, die das Campen im Sommer 2020 entdeckt haben, als die Pandemie die Menschen in Unterkünfte an der freien Luft mit gutem Social Distancing und natürlicher Umgebung trieb. Ein bestimmendes Merkmal des Jahres 2021 dürften Loyalität und das Folgegeschäft von diesen Neukunden sein.

Die Rückkehr europäischer Touristen ist Musik in den Ohren der Hotellerie in diesen Stadtzentren.

Eine zyklische Anlageklasse, getrieben durch strukturelle Faktoren
Beim Geschäftstourismus hingegen ist das Ganze weniger klar. Eine gewisse Trägheit, zum Teil weil hocheffiziente digitale Systeme für Online-Meetings, Videokonferenzen und Fernarbeit die Erholung bei Geschäftsreisen bremst, wird durch den Pragmatismus der Unternehmen noch verschärft. Die Unternehmen sahen sich einer Gesundheitskrise gegenüber und haben gute Gründe, mit Reiserichtlinien und Budgets zurückhaltender umzugehen. Daher wird es voraussichtlich 12 bis 18 Monate dauern, bis die Geschäftsreisen wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Als Anlageklasse stellt das Hotelsegment nun einen relativ attraktiven Einstiegspunkt dar, jetzt, da die Covid-Krise abklingt. Anleger müssen sich jedoch seines zyklischen Charakters bewusst sein, der die Gefahr von Volatilität birgt. Investitionen in Hotelimmobilien erfordern einen klaren, langfristigen Ansatz. Unterstützt durch strukturelle Trends – darunter eine zunehmend mobilere globale Mittelschicht – haben diese Anlagen jedoch das Potenzial, über einen zehnjährigen Horizont hinweg die Inflation übersteigende Renditen zu erzielen. 

Autorin: Johanna Capoani, Head Hospitality Portfolio Management, Swiss Life Asset Managers, France

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