In den letzten zehn Jahren wurde der Gesundheitssektor bei institutionellen Anlegern immer beliebter. Gründe dafür sind seine demografischen Fundamentaldaten und seine sozialen Auswirkungen, die im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der UNO stehen. Béatrice Guedj (PhD), Head Research & Innovation, und Valérie Maréchal, Head Resi & Care, Swiss Life Asset Managers France, nehmen den Immobilienbereich im Gesundheitswesen unter die Lupe.
In Europa macht der Gesundheitssektor seit 2016 durchschnittlich 3% des gesamten Investitionsvolumens aus; 2007 waren es weniger als 1%. Er ist defensiver ausgerichtet als andere zyklische Sektoren und trägt stark zu einer guten Diversifizierung der Portfolios für die Anleger bei. In den letzten Jahren wurde er wegen der indexierten, langfristigen Mietverträge und hohen Vermietungsquoten als eher defensiv angesehen. Das Gesundheitswesen steht an einem Scheideweg, da die Geschäftsmodelle einiger Betreiber auf steigende Nebenkosten und altersbedingte strukturelle Veränderungen anfällig reagierten. Infolgedessen verzeichneten einige Anlagen einen stärkeren Wertverlust, während andere sich resilienter zeigten. Ein soziales Engagement und die Fähigkeit der Investorinnen, ein geeignetes Angebot bereitzustellen, werden jedoch weiterhin für nachhaltige Erträge sorgen.
Länderspezifische Unterschiede bei der Generation Silber
Der demografische Wandel beeinflusst die Typologie der Nachfrage im Gesundheitssektor. Laut den Vereinten Nationen wird bis 2050 der Anteil der über 65-Jährigen in der EU 25% betragen. In den bevölkerungsreichen Ländern Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien, wo 57% der EU-Bevölkerung lebt, wird der Anteil der über 65-Jährigen gar auf 60% ansteigen, da in diesen Ländern die Geburtenraten niedriger und die Lebenserwartung höher sind. Noch stärker bemerkbar macht sich dieser Umstand bei der Altersgruppe der über 80-Jährigen: Bis 2050 werden sie in Italien 14%, in Deutschland fast 12%, in Frankreich und Spanien jeweils 11% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Dabei gibt es länderspezifische Unterschiede, was Risikofaktoren, Krankheiten und mentale Probleme (wie Demenz) betrifft. Das führt auch zu unterschiedlichen Pflegebedürfnissen, und es braucht deshalb eine breite Palette an Immobilienprodukten und -dienstleistungen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.
Swiss Life Asset Managers trägt diesem demografischen Wandel Rechnung und hat ihr Angebot an traditionellen Pflegeheimmodellen um weitere Produkte ergänzt, wie z.B. Wohneinrichtungen für ältere Menschen.
Innovationen zur Optimierung des Wohlbefindens
In vielen Fällen verbessern digitale Lösungen die Produktivität und unterstützen damit das Pflegepersonal. Der Einsatz digitaler Spiele und eine breite Palette an Aktivitäten können kognitive und soziale Fähigkeiten der Bewohnerinnen fördern. Gute Kenntnisse des Medtech-Ökosystems in Europa sind deshalb unerlässlich, um sowohl für Patienten als auch Pflegepersonal die passenden kulturellen Lösungen zu finden. In Zukunft soll es für jeden Patienten, jede Patientin mithilfe von KI (Künstliche Intelligenz) ein massgeschneidertes Präventionskonzept geben.
Die Qualität und der Nutzen der Pflege in Bezug auf Wirksamkeit, Sicherheit und Wohlbefinden der Patientinnen lassen sich mithilfe digitaler Lösungen überprüfen und beurteilen (medizinische Überwachung, Arzneimittelkontrolle, zweckmässige Pflege, medizinische Aufzeichnungen). Dank solcher Innovationen kann sich das Pflegepersonal stärker auf psychosoziale und komplexe Patientenbedürfnisse konzentrieren.
Strukturelle Faktoren im Gesundheitswesen
Die Ausgaben für das Gesundheitswesen und die Finanzierung der Langzeitpflege sehen in den verschiedenen europäischen Ländern sehr unterschiedlich aus: Diese Kosten machen in Italien etwa 9,0% des BIP aus, in Deutschland 12,7%, in Frankreich 12,1%, in Grossbritannien 11,3%, in der Schweiz und in Spanien 10,4%. Auch bei den Langzeitpflegeplätzen gibt es grosse Unterschiede: In Deutschland sind es pro 1000 Einwohner rund 54, in Frankreich 48, in Spanien 44, in Italien 22 und in der Schweiz 62. In Deutschland leben mittlerweile über 9% der 80-Jährigen in Langzeitpflegeeinrichtungen, in der Schweiz sind es 15%, in Spanien 6%.1 Die länderspezifischen Besonderheiten resultieren aus einer Kombination unterschiedlicher Rentensysteme, Lebensstandards und Regulierungen.
Die Analyse dieser strukturellen Faktoren ist entscheidend, um die verschiedenen Modelle zu verstehen und langfristige Renditen zu sichern. Unser länderspezifische Ansatz bei der Wahl von Produkten, Infrastruktur und Betreibern berücksichtigt diese strukturellen Faktoren, die für jeden Teilmarkt unterschiedliche Elastizitäten aufweisen.
Richtige Wahl der Betreiber und Minimierung des Konzentrationsrisikos
In den letzten Jahren hat sich der Wettbewerb im Gesundheitswesen verschärft: Grosse Betreiber breiteten sich rasch in den Schlüsselmärkten aus, während aufstrebende Aussenseiter mit neuen Geschäftsmodellen vordrangen. Swiss Life Asset Managers beurteilt seit jeher jeden Fall individuell und auf lokaler Ebene, da sich die finanziellen und medizinisch-sozialen Faktoren in den verschiedenen Märkten voneinander unterscheiden. Indem wir bei unserer gesamteuropäischen Anlagestrategie nicht auf ein einzelnes bestimmtes Modell fokussieren, vermeiden wir Konzentrationsrisiken. Wir bevorzugen stattdessen nachhaltige Betriebsmodelle für alle Beteiligten. Dabei ist die Wahl der Betreiber von entscheidender Bedeutung, um der Nachfrage nach kleinen und grossen Einheiten im gesamten Gesundheitssektor gerecht zu werden.
Transparenz
In der gegenwärtigen Situation denken und arbeiten Betreiber und Investorinnen eng zusammen, um das Wohlbefinden aller Stakeholder zu verbessern. Von den Betreibern wird erwartet, dass sie transparent sind und allen Beteiligten, einschliesslich der Familien, Informationen zur Verfügung stellen. Diese Transparenz stärkt das gegenseitige Vertrauen und minimiert gleichzeitig die Reputationsrisiken. Gerade im Gesundheitssektor mit seinen strengen Regulierungen, die erhebliche Auswirkungen auf den Betrieb haben können, erleichtert Transparenz auch den Aufbau sinnvoller, langfristiger Partnerschaften.
Gesellschaftliche Verantwortung aller
Gebäude müssen sich den Menschen anpassen, die sie bewohnen, nicht umgekehrt. Solche intelligenten und flexiblen Immobilien müssen ein Ort sein, wo Patienten, Patientinnen und Pflegepersonal sich wohl fühlen und ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können. Angesichts der Ressourcenknappheit und der Arbeitsgesetze müssen Betreiber von Pflegeeinrichtungen neue Verwaltungs- und Planungsmethoden entwickeln. Wichtig ist auch, dass die Anlagen in ihrer Umgebung verankert sind; das bedeutet, dass die Bewohnerinnen, Betreiber und Investorinnen das gleiche Ziel verfolgen sollten, nämlich Gebäude nachhaltig zu bewohnen, zu verwalten und zu halten und auf eine Minimierung des CO2-Fussabdrucks hinzuarbeiten. Labels, geeignete KPI und weitere digitale Immobilientechnologien vom Typ PropTech sollten es den Stakeholdern ermöglichen, die Entwicklung des Gebäudes in Richtung mehr Nachhaltigkeit genau zu verfolgen.
Swiss Life Asset Managers arbeitet mit all ihren Partnern intensiv zusammen, um innovative Lösungen zu unterstützen, das Wohlbefinden im Alter zu verbessern, die gesellschaftliche Verantwortung zu fördern und gleichzeitig eine optimale Performance sicherzustellen – mit einem Verständnis des operativen Geschäfts über die reine Immobilie hinaus.
1 OECD-Daten
Swiss Life Asset Managers ist europaweit eine der führenden Immobilieninvestorinnen mit über 125 Jahren Erfahrung im Investment Management und der Bewirtschaftung von Immobilien.