Wir haben mit Antonio Pires de Lima, CEO des portugiesischen Autobahnbetreibers Brisa, über den Fokus des Unternehmens auf Nachhaltigkeit und E-Mobilität gesprochen und darüber, wie durch einfache, sichere und umweltfreundliche Mobilität die Lebensqualität verändert werden kann.
Wie würden Sie Ihr Unternehmen beschreiben?
Brisa ist ein Unternehmen, das bei der Modernisierung der Mobilität eine Schlüsselrolle spielt. Das Unternehmen wurde 1972 mit dem ausdrücklichen Zweck gegründet, die Lebensqualität in den Gemeinden, die wir bedienen, durch nahtlose, sichere und nachhaltige Mobilität zu verändern.
Im Grunde sind wir im Bereich der Strassenkonzessionen tätig, wo wir über fortschrittliche, solide und allumfassende Kompetenzen im Betrieb und in der Instandhaltung verfügen, aber wir sind heute viel mehr als das. Wir haben heute auch einen starken technologischen und digitalen Geschäftszweig und haben ein zentrales elektronisches System namens Via Verde entwickelt. Unser Ziel ist es, mit unseren Mobilitäts- und E-Mobilitätsplattformen ins Ausland zu expandieren. Das ist unsere klare Ambition und Vision für die nächsten fünf Jahre.
Wohin geht die Expansion als Erstes?
Wir suchen nach Möglichkeiten, die unsere Kernkompetenzen wie das effiziente Management von Strassenkonzessionen und Autobahnen ergänzen. Derzeit bewerben wir uns für eine Konzession in Griechenland, in den Niederlanden haben wir einen öffentlichen Auftrag für die elektronische Mauterhebung erhalten und wir prüfen weitere Möglichkeiten in Europa sowie in Süd- und Nordamerika. In den nächsten rund fünf Jahren soll Brisa nicht nur der beste Mobilitätsanbieter in Portugal sein, sondern auch mit seinen Managementkompetenzen und seinem Engineering-Know-how ins Ausland expandieren.
Sind Sie stark von Ihren Engineering-Kompetenzen abhängig?
Früher haben wir alle unsere Autobahnen gemeinsam mit Baufirmen entworfen und entwickelt. Wir haben den Grundstein für die Autobahnentwicklung in Portugal gelegt. Noch vor 50 Jahren hatten wir in unserem Land nur etwa 20 Kilometer Autobahn. Mittlerweile haben wir über 3000 Kilometer, wovon 50% von Brisa bewirtschaftet werden.
Die Welt des Infrastruktur- und Konzessionsmanagements ist heute sehr digital, daten- und technologiegetrieben. Engineering-Kompetenzen sind natürlich ein wichtiger Bestandteil unseres Geschäfts, aber jedes Jahr werden wir immer mehr zu einem Datenunternehmen. Das heisst, dass wir nicht nur Ingenieure, sondern auch IT-Experten und andere Fachleute für moderne Technologien anwerben müssen. Im Rahmen von Konzessionen müssen wir mit all den Daten umgehen können, die wir durch die Konzession erhalten, und auf alle Interaktionen mit den Lenkern und den Verbrauchern eingehen.
Wir betreuen Raststätten und Kontrollstellen und haben so eine Rundumsicht auf unsere Kunden. Wir begleiten sie in allen Momenten, die sie auf unseren Autobahnen verbringen, und bei jeder Dienstleistung, die wir während ihrer Fahrt erbringen, auch in Sachen E-Mobilität.
Erzählen Sie uns mehr über Ihre Aktivitäten und Ihre Herausforderungen.
Wir müssen den Wandel hin zu autonomen Fahrzeugen aus technologischer Sicht unterstützen, denn so können die Autobahnen künftig vernünftiger und sicherer genutzt werden. Wir müssen in Sachen Nachhaltigkeit als Haupttreiber des Übergangs von fossilen Energieträgern hin zu Elektrofahrzeugen angesehen werden. Nahezu 25% aller CO2-Emissionen in Portugal werden durch den Verkehr verursacht, ein Teil davon durch Verkehrsträger, auf die wir keinen Einfluss haben, aber ein erheblicher Teil stammt von Strassen und Autobahnen.
Die Raststätten auf unseren Autobahnen verfügen bereits über superschnelle Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Aber wir bei Brisa wollen eine führende Rolle bei der Beschleunigung des Wandels in Richtung E-Mobilität einnehmen. Dabei ist es sowohl für die Regierungen als auch für die Öffentlichkeit von entscheidender Bedeutung, dass Autobahnen mit Nachhaltigkeit assoziiert werden.
Kurzum: Nachhaltigkeit und autonome Fahrzeuge sind derzeit für uns die beiden grössten Herausforderungen, wenn es um Entwicklung und Wachstum geht.
Gibt es nur Herausforderungen? Oder sehen Sie auch Chancen?
Ich sehe grosse Chancen. Brisa ist aktuell das einzige Autobahnnetz in Portugal, das alle 80 km Raststätten zur Verfügung stellt, an denen man eine Pause einlegen und sein Auto in nur 10 bis 20 Minuten aufladen kann. Das ist ein grosser Wettbewerbsvorteil und kommt unserer Reputation und unserem Gesamtimage zugute. Man sieht so, dass wir unsere Ressourcen und unsere Mittel in Themen investieren, die wir uns vor Jahren als Ziele gesetzt haben.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Zusammenarbeit mit unseren Stakeholdern, wozu auch unsere Gemeinden und lokale und nationale Regierungen gehören. Wir sind ein grossartiges Beispiel für eine öffentlich-private Partnerschaft, die dazu beiträgt, die Mobilität in Portugal zu verändern. Wir wissen, dass der Wandel in Richtung Nachhaltigkeit gemeinsam mit den politischen Entscheidungsträgern erfolgen muss. Bereits 20–25% der verkauften Neuwagen in Portugal sind dieses Jahr entweder elektrisch oder hybrid. Aber um den Wandel in, sagen wir, zehn Jahren zu vollziehen, werden mehr E-Ladestationen benötigt und die E-Mobilität muss mit steuerlichen und anderen staatlichen Massnahmen gefördert werden.
Mein Traum ist, dass unsere Autobahnen in Portugal in zehn Jahren von Elektrofahrzeugen und womöglich von autonomen Fahrzeugen und anderen sichereren Formen der E-Mobilität genutzt werden. Ich glaube, so wird Brisa die Zukunft mitgestalten.
Glauben Sie, dass Brisa Menschen dabei unterstützt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen?
Sicher. Unsere Kunden und unsere Mitarbeitenden können sich auf uns verlassen. Heute kommt man in nur drei oder vier Stunden überall hin in Portugal, und dies auf einer sicheren Autobahn. Früher war man einen ganzen Tag unterwegs, wenn man in die entlegensten Regionen unseres Landes gelangen wollte. Auf diese Weise machen wir Menschen mobiler und bringen sie näher zusammen.
Und die Covid-Pandemie hat uns gezeigt, dass Mobilität ein wichtiger Teil unserer Lebensqualität ist. Menschen, die zu Hause festsitzen oder sonst nicht so mobil sind, sind weniger glücklich als Menschen, die mobiler sind.
Wir glauben auch, dass wir eine wichtige soziale Verantwortung gegenüber den Menschen haben, die wir direkt oder indirekt beschäftigen. Wir wollen bei der Gleichstellung der Geschlechter ein Vorreiter sein und haben deshalb in den letzten drei Jahren die Anzahl Frauen in Top-Positionen des Unternehmens verdoppelt. Auch bei der integrativen Beschäftigung müssen wir führend sein und arbeiten deshalb an der Umsetzung eines Beschäftigungsprogramms für Menschen mit Behinderung.
In Portugal sind die Löhne nach wie vor relativ niedrig und wir wollen im Rahmen unseres strategischen Plans gegenüber den Marktniveaus einen klaren Massstab setzen und unseren Mitarbeitenden zwei- oder dreimal mehr zahlen als der portugiesische Durchschnitt. Das ist wichtig, denn nur so glauben die jüngeren Menschen in Portugal an die eigene Selbstbestimmung. Wenn man in jungen Jahren nicht genügend Geld verdient, kann man auch keinen selbstbestimmten Lebensstil führen.
Diese Ziele sind ein integraler Bestandteil unserer Vision und unserer Strategie und werden von unseren Aktionären, darunter auch Swiss Life Asset Managers, stark unterstützt. Ihr Unternehmenszweck und unserer passen hinsichtlich unserer jeweiligen Strategiepläne bestens zusammen.
Im Oktober 2020 erwarb Swiss Life Asset Managers im Rahmen eines Konsortiums eine Beteiligung von 81,1% am portugiesischen Autobahnbetreiber Brisa. Die Investition unterstützt Brisa bei der Weiterentwicklung der wichtigen Verkehrsplattform in Portugal und darüber hinaus.
Swiss Life Asset Managers verfügt über einen langen Anlagehorizont in Infrastruktur und verbindet Branchenwissen mit Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit.