COVID-19 hat eine Gesundheits-, Sozial- und Wirtschaftskrise ausgelöst, die bereits bestehende Trends beschleunigt. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die urbane Mobilität sowie die Art und Weise, wie Menschen arbeiten und wie Gebäude genutzt werden. Wie genau beeinflusst die Epidemie die Stadt-entwicklung und Immobilien im Grossraum Paris? Wie sind die Perspektiven heute für verschiedene Immobiliensegmente und Stadtteile?

Das Projekt «Grand Paris», das vor mehr als einem Jahrzehnt ins Leben gerufen wurde, hat zum Ziel, den Grossraum Paris in eine globale Metropole zu verwandeln. Erreicht soll dies werden durch die Öffnung von Aussenbezirken zur Verringerung von Ungleichheit, die Entwicklung einer modernen Infrastruktur, die besser zur urbanen Expansion passt, die Gestaltung einer nachhaltigen Stadt und die Verbesserung der Lebensbedingungen für ihre Bewohner. Die Gesundheitskrise hat diese langfristigen Ziele und Verpflichtungen von Behörden oder damit verbundenen Strukturprojekten nicht verändert.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie sind jedoch bereits sichtbar und dürften verschiedene Geschäftsviertel im inneren Ring der Pariser Vororte treffen. Der COVID-19-Schock für das französische BIP, das 2020 um 8,3% einbrach und 2021 voraussichtlich nur geringfügig ansteigen wird, könnte dazu führen, dass die Dienstleistungsunternehmen bei ihren Immobilienbedürfnissen zuerst mal abwarten.

Die Geschäftsviertel, die vor der Krise spekulative Anlagen angezogen haben, werden natürlich am meisten leiden. Dazu gehören Saint-Ouen-Saint-Denis Pleyel und La Défense Cœur, wo viele Projekte, die noch nicht vermietet waren, ihre Bankfinanzierung verloren haben und viele Bürogebäude leer stehen.

Umgekehrt scheinen Nanterre-La Folie, Paris-Sud Bagneux und Paris Est Vincennes-Pantin-Bagnolet viel stärker von der Krise profitieren zu können. Sie sind wesentlich besser für die zyklischen und strukturellen Veränderungen geeignet, da sie eine stärkere urbane Durchmischung aufweisen. Ein Quartier wie Terrasses de l'Arche (Nanterre-La Folie) eignet sich beispielsweise gut für die Bedürfnisse und die Nutzungsformen nach der Krise, mit niedrigeren Gebäuden, mehr Grünflächen und einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Wohnen, Büros und Dienstleistungen, das Unternehmen und Mitarbeitende gleichermassen anspricht.

Paris Eiffelturm Eiffeltower Tour Eiffel

Ein Comeback des inneren Stadtrings
Im Wohnimmobiliensektor führte die Pandemie 2020 zu einem globalen Kollaps beim Bau von neuen Wohnungen und die Baugenehmigungen haben sich noch nicht erholt. Doch neben dieser zyklischen Entwicklung hat die Krise keinen völligen Bruch mit der Vergangenheit verursacht, sondern als Katalysator für Megatrends gewirkt.Immobilienangebot und -nachfrage im Grossraum Paris werden weiterhin von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt: der Suche nach Flächen im urbanen Raum, der Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, insbesondere durch das Metro-Netz Grand Paris Express (mit dem langfristigen Ziel, das Pariser Zentrum dauerhaft autofrei zu machen), grünere Quartiere und die Entwicklung von Coworking-Flächen in neuen Wohngebieten. Wir erleben daher ein Comeback des inneren Ringes, der dem Wunsch der Menschen nach hoher Lebensqualität im Zentrum von Paris entspricht.

Energieeffizienz, Modularität und die Art und Weise, wie sich Menschen um die Gebäude herum bewegen, haben oberste Priorität.

Ein Schub für Co-living und Designstandards
Ein weiterer starker Trend ist das «Co-living» – eine Alternative zu herkömmlichen Wohnformen und ein Phänomen, das von der Krise eher verstärkt als beeinträchtigt wurde. Dank diesem flexibleren Wohnansatz erhalten Angestellte oder Studierende mit massgeschneiderten Dienstleistungspaketen und flexiblen Mietverträgen Zugang zu gemeinsamen Wohnflächen. Co-living entspricht den heutigen Bedürfnissen in einer Welt, in der die persönliche und die berufliche Entwicklung deutlich weniger linear verlaufen als früher.

Schliesslich hat die Gesundheitskrise die Designstandards für Gebäude, sei es für Wohn-, Büro- oder Tourismusimmobilien, erhöht. Energieeffizienz, Modularität und die Art und Weise, wie sich Menschen um die Gebäude herum bewegen, haben oberste Priorität. Diese Faktoren scheinen heute mehr denn je der Schlüssel zum Erfolg auf dem Immobilienmarkt zu sein.

Eine klare Beschleunigung bestehender Trends
Die Pandemie prägt unsere Zukunft und das Ausmass der Krise erfordert von uns eine klare Vorstellung von der Stadt und den Immobilien von morgen. Gleichzeitig dürften die Herausforderungen der sanften Mobilität, der Entlastung des Stadtzentrums, der Energieeffizienz und der Schaffung von Wohn- und Arbeitsflächen an günstiger Lage die Haupttreiber für die Entwicklung des Grossraums Paris im kommenden Jahrzehnt sein.

Autor: Fabrice Lombardo, Head Real Estate, Swiss Life Asset Managers France
Erstveröffentlichung in
Les Echos am 24. Februar 2021

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