Die IT-Infrastruktur verändert sich schnell. Die Welt entwickelt sich rasant und wird zunehmend von intelligenten Maschinen angetrieben. Und im Zentrum stehen Datenzentren. Raul Martynek, CEO von DataBank, spricht über die Komplexität von Ökosystemen und den nächsten grossen Tech-Trend.
Was genau macht DataBank?
Wir bauen und betreiben spezialisierte Gebäude, sogenannte Datenzentren. Man merkt es vielleicht nicht, aber Datenzentren sind überall. Man sieht sie nur nicht. Alles, was Sie auf Ihrem Handy, auf Ihrem Computer tun, jeder Bestandteil dieser Technologie landet letztendlich in einem Datenzentrum. Sie sind ein fundamentales Element unserer modernen Gesellschaft, denn heute läuft fast alles übers Internet: geschäftliche, menschliche und pädagogische Interaktionen. All dem liegt Digitalisierung zugrunde und daher bilden Datenzentren das Herzstück dieses Fundaments.
Waren Sie schon immer in dieser Branche tätig?
Ich bin schon lange im Tech-Bereich. Ich bin seit dem Aufkommen des kommerziellen Internets Mitte der 90er-Jahre dabei. Ich weiss noch, dass ich in Manhattan herumgelaufen bin und versucht habe, die Leute davon zu überzeugen, dass sie Internet brauchten. «Nein, das brauchen wir nicht! Wir sehen den Nutzen nicht! Wir arbeiten mit Fax», hiess es. Das Internet hat sich seitdem weiterentwickelt. Die ersten 13 Jahre meiner Karriere war ich im Sektor Telekommunikation/Glasfaser tätig, danach wechselte ich in den Bereich Datenzentren und Cloud. Es war spannend, die Entwicklung dieses Sektors mitzuverfolgen.
Welche Veränderungen haben Sie in den letzten Jahren festgestellt oder erwartet?
Das Internet hat sich weiterentwickelt, seine Architektur hat sich verändert. Das Internet begann mit sehr geringer Bandbreite und hoher Latenz, es war langsam. Die grösste Veränderung der letzten Jahre war die Public Cloud. Den Leuten ist nicht bewusst, dass vor rund 15 Jahren jeder in seinem Büro sein eigenes Datenzentrum hatte. Zehn Jahre später lagern die meisten Unternehmen dies aus, indem sie ihre Daten entweder in einer Public Cloud oder in einem Datenzentrum eines Drittanbieters wie DataBank speichern. Dieses Outsourcing ist also seit ein paar Jahren sehr im Trend. Und jetzt, da die Infrastruktur ausgelagert wurde, konsumieren die Menschen mehr – sie erstellen mehr Applikationen, Handy-Apps zum Beispiel. Für all das werden Server, Speicherplatz und Netzwerkequipment benötigt und all das landet in einem Datenzentrum.
Neue Technologien wie 5G, IOT, Smart Cities und Metaverse werden alle mehr Infrastruktur brauchen. Wir beobachten, dass an immer mehr Orten Infrastruktur geschaffen wird. Vor 15 Jahren war das nur in ein paar wenigen Märkten der Fall. Heute greift das auf andere Märkte über. Diese Dezentralisierung nennt man The Edge, den nächsten grossen Trend in unserer Branche.
Welches sind die grössten Herausforderungen in Ihrer Branche und in Ihrer Tätigkeit?
Als Betreiber von Datenzentren bauen wir Bürogebäude, nicht für Menschen, sondern für Server. Unsere Kunden haben bei uns Dienstleistungsvereinbarungen für 100% Betriebszeit für Strom und Kühlung. Die Gebäude verbrauchen sehr viel Strom und erfordern physische Gebäudesicherheit. Genau diesen Service bieten wir unseren Kunden. Herausfordernd ist zunächst, dass der Datenzentrensektor in den letzten fünf bis zehn Jahren stark gewachsen ist. Strom wird zum Thema, da die Datenzentren enorme Mengen an Strom verbrauchen. Der Bezug von guter, kostengünstiger Energie mit Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien wird immer mehr zu einem Knackpunkt.
Zweitens werden viele Datenzentren gebaut und die Menschen sagen immer häufiger: «Nicht in meinem Garten!» Ihr Handy wollen sie aber trotzdem weiterhin benutzen. Wir müssen bei der Wahl der Standorte sehr kreativ sein und dabei die Aspekte Strom und Anspruch berücksichtigen. Wir müssen die richtige Balance finden, damit wir auch weiterhin Datenzentren bauen können, die den wachsenden digitalen Konsum unterstützen.
Wie wichtig ist bei Ihnen Nachhaltigkeit?
Das ist ein Schwerpunkt. Ich kann mit Stolz sagen, dass unsere Branche sehr gut auf den Wandel reagiert. Wenn man sich die grössten Nutzer von Datenzentreninfrastruktur wie Google, Microsoft und AWS anschaut, haben alle sehr ambitioniert Pläne, wie sie CO2-neutral werden wollen. Spannend aus unserer Sicht ist die Menge erneuerbarer Energie, die ins Stromnetz fliesst. Diese Lösungen können wir nutzen.
DataBank hat zum Ziel, bis 2030 klimaneutral zu sein. Dies ist möglich mit Strombezugsverträgen, die erneuerbare Energien beinhalten, oder dem Kauf von REC (Renewal Engergy Credits), also Gutschriften für erneuerbare Energie. Wir haben schon 44 Prozent unseres Ziels erreicht. Und wir sind zuversichtlich. Denn die Anleger werden weiterhin in eine erneuerbare Zukunft investieren und Betreiber von Datenzentren können von diesen Investitionen profitieren und sie sogar beschleunigen. Wir sind ein sehr guter Abnehmer von erneuerbaren Energien, weil wir viel Strom benötigen und diesen stabil verbrauchen. Es ist nicht wie bei einer Stadt, in der an heissen Tagen alle ihre Klimaanlage einschalten und nachts schlafen gehen. Datenzentren laufen sehr stabil. Wir tragen also zur Förderung von Investitionen in erneuerbare Energien bei.
Welcher Trend ist im Moment sehr aktuell?
The Edge zum Beispiel ist ein interessantes Konzept. Wenn man sich die Geschichte der Datenverarbeitung anschaut, dann gab es ein Hin und Her zwischen zentralisierter und dezentralisierter Verarbeitung. In den Anfängen der Datenverarbeitung gab es nur Mainframes, also grosse Computer, die eher zentralisiert waren. Diese befanden sich im Zentrum und man nutzte sie so. In den 80er-Jahren kam dann der PC und die Datenverarbeitung erfolgte dezentralisiert am Schreibtisch. In den letzten zehn Jahren wurde wieder zentralisiert. Wir nennen dies das Zeitalter der Public Cloud, in dem viele Aktivitäten von Datenzentren in einer kleinen Anzahl von Märkten stattfanden.
Heute sehen wir wieder einen Trend zur Dezentralisierung. Und die Infrastruktur wird geteilt und in mehr Märkten platziert. Unsere Kunden möchten nun an mehr Orten präsent sein, zum Beispiel nicht mehr an nur drei, sondern an acht. Dies treibt die Nachfrage nach Datenzentren in Sekundärmärkten an. In den USA sind dies Orte wie Salt Lake City, Kansas und Minneapolis, in Europa Nicht-Tier-1-Städte. Das ist ein globaler Trend. All dem gemeinsam ist, dass wir uns immer mehr in Richtung «Echtzeit-Internet» bewegen, also Anwendungen ohne Latenzzeit.
Ein Beispiel: die simultane Sprachübersetzung. Schon bald werden wir etwas im Ohr tragen, das uns das, was jemand auf Deutsch sagt, automatisch ins Englische, Spanische oder Chinesische übersetzt. Damit diese Anwendung funktioniert, müssen Rechenleistung, Speicher, Netzwerk und Intelligenz dort sein, wo der Benutzer ist. All das kann nicht zuerst in ein Datenzentrum in Amsterdam gehen und dann wieder zurück nach Zürich. Es müsste hier in Zürich sein. Das ist der Trend, der Edge genannt wird.
Was ist Ihre geografische Präsenz und was sind Ihre Ambitionen?
Wir verfügen über eine kleine Anzahl von Datenzentren in Frankreich und dem Vereinigten Königreich, die wir vor ein paar Jahren durch eine Akquisition übernommen haben. Aber unser Mandat liegt in Nordamerika, also den USA und Kanada. Es handelt sich wohl um den am stärksten umkämpften Markt der Welt, wir sehen aber viele grosse Möglichkeiten. Wir haben eine aussergewöhnlich grosse Plattform aufgebaut und verfügen als Betreiber von Datenzentren über die grösste geografische Präsenz in Amerika. Wir wollen unseren Vorsprung in den USA weiter ausbauen.
Glauben Sie, dass DataBank Menschen dabei unterstützt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen?
Das glaube ich absolut! Blicken wir 20 Jahre zurück und denken darüber nach, wie unser Leben damals war. Wenn wir Informationen wollten, mussten wir eine Zeitung kaufen oder in die Bibliothek gehen. Wenn wir verreisen wollten, mussten wir eine Karte benutzen. Wenn wir kommunizieren wollten, benutzten wir ein Münztelefon. Es kam vor, dass niemand antwortete und wir uns verirrten. Wenn ich bedenke, wie das Internet es uns Menschen ermöglicht hat, zu lernen, miteinander zu kommunizieren, sich auszutauschen, mobil zu arbeiten und unser Leben zu verbessern, dann stimme ich vollkommen zu, dass Investitionen in die digitale Infrastruktur voll und ganz im Einklang stehen mit Ihrem Unternehmenszweck, Menschen dabei zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Ein von Swiss Life Asset Managers angeführtes Konsortium erwarb im Juni 2022 eine bedeutende Minderheitsbeteiligung an DataBank. Als Ankerinvestor will das Konsortium die Wachstumsambitionen von DataBank beim weiteren Ausbau der Präsenz von Datenzentren in den USA unterstützen.