Das volatile Umfeld und steigende Zinsen sind für Anlegerinnen und Anleger eine Herausforderung. Auf der Suche nach Rendite bieten sich globale Unternehmensanleihen an. Im Interview mit Alois Seeholzer Capeder, Senior Credit Portfolio Manager, Swiss Life Asset Managers, wollten wir mehr darüber erfahren.

Alois Seeholzer, wie sehen Ihre Aufgaben als Credit Portfolio Manager aus?
Als Credit Portfolio Manager investiere ich in Anleihen von Unternehmen, die am Kapitalmarkt emittiert werden. Ich analysiere und beurteile sie hinsichtlich der erwarteten Renditen relativ zur Kreditbonität und dem eingegangenen Risiko. Wenn wir das Chance-Risiko-Verhältnis als vorteilhaft erachten, kaufen wir die Anleihen für unsere Fonds. Wir beobachten diese Unternehmen und ihre Entwicklung sehr aktiv, um frühzeitig Probleme zu erkennen. Im Fall einer drohenden Verschlechterung der Fundamentaldaten muss man überlegen, ob man allenfalls die Anleihen betroffener Unternehmen wieder verkaufen sollte.

Fokussieren Sie auf Unternehmen weltweit oder beschränken Sie sich auf Europa?
Wir verfolgen vor allem Unternehmen aus den USA und Europa, aber auch aus Asien. Dabei handelt es sich nicht nur, aber vorwiegend um börsenkotierte Unternehmen. Für die meisten Strategien kaufen wir Anleihen von Unternehmen, die ein Investment Grade Rating haben. Das heisst, die Anlagequalität sollte mindestes ein Triple B Minus (BBB-) aufweisen und somit solide sein und eine sehr tiefe Ausfallwahrscheinlichkeit haben.

Bei Unternehmensanleihen handelt es sich somit um relativ sichere Anlagen?
Richtig. Trotzdem besteht selbst bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen ein gewisses Kreditrisiko, da auch Unternehmen einem Zyklus unterworfen sind. Für dieses Risiko wird man mit einem Kreditrisikoaufschlag, dem so genannten Credit Spread, zusätzlich zur unterliegenden Staatsanleihenrendite kompensiert. Der Credit Spread macht im Schnitt ein bis zwei Prozent aus. Das ist markant – mit einer Schweizer Staatsanleihe, einer deutschen oder einer US-Staatsanleihe lässt sich diese Rendite nicht erzielen. Natürlich kann der Aufschlag, abhängig vom wirtschaftlichen Umfeld, über die Zeit variieren. Bei schwieriger konjunktureller Lage ist er meistens etwas höher und umgekehrt, wenn die Risiken in der Wirtschaft tiefer sind, ist er entsprechend kleiner.

Inwiefern beeinflusst die Zinswende Ihre Anlagetätigkeit?
Beachten müssen wir vor allem, welche Unternehmen und welche Sektoren von höheren Zinsen profitieren bzw. in Mitleidenschaft gezogen werden. Profitieren dürfte der europäische Bankensektor, der in der Vergangenheit wegen der Negativzinspolitik im Kreditgeschäft nur geringe Gewinne erzielen konnte und jetzt wieder wesentlich bessere Margen hat. Schwieriger geworden ist es wegen der gestiegenen Hypothekarzinsen hingegen im Immobilienbereich und auch in der Mietpreisentwicklung gibt es Unsicherheiten. Entsprechend prüfen wir, ob wir beim Kauf einer Anleihe in diesem Segment einen angemessenen zusätzlichen Aufschlag erhalten.

Wie beschaffen Sie sich fundierte Informationen?
Börsenkotierte Unternehmen müssen regelmässig ihre Zahlen rapportieren, meistens besteht ein quartalsweises Reporting. Wir benutzen externe Quellen wie Research von Ratingagenturen oder von unabhängigen Anbietern wie CreditSights oder Verlautbarungen von offizieller Seite, z.B. der US-Notenbank. Um an die richtigen Informationen zu kommen, hilft es auch, gut vernetzt zu sein und andere Meinungen mit einzubeziehen. Je mehr Erfahrung man hat, desto besser schafft man es, mit der Informationsflut umzugehen, sie zu filtern und optimal zu nutzen.

Gibt es ein Rezept für gute Performance?
Die Gründe für eine gute Performance sind vielfältig. Konjunkturelle Aspekte und die Geldpolitik sind zu berücksichtigen. Da bekommen wir wertvolle Inputs von unseren Makroökonomen. Daneben bin ich auf Informationen von meinen Teamkollegen angewiesen, die die verschiedenen Sektoren und Unternehmen anschauen, die ich nicht selbst betreue, wie Energie, Pharma- oder Automobilindustrie. Für meinen eigenen Bereich, den Finanzsektor, bin ich regelmässig mit Banken und Händlern direkt im Austausch. Die Tatsache, dass Swiss Life als Lebensversicherer da bestens verankert und als institutionelle Investorin sehr wertgeschätzt ist, ermöglicht mir einen guten und direkten Zugang zu diesem Kapitalmarkt. Im Unternehmensanleihenmarkt sind persönliche Kontakte und Beziehungen trotz Digitalisierung nach wie vor von grosser Wichtigkeit.

Interview: Karin Pache, Communications, Swiss Life Asset Managers

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