Systematische Anlagestrategien nutzen Marktineffizienzen gezielt aus – mit klaren Regeln, Daten und bewährten Faktoren wie Value, Quality, Sentiment und Momentum.
Wäre der Kapitalmarkt vollkommen effizient, wären Wertpapiere jederzeit korrekt bewertet. In diesem Preis wären sämtliche verfügbaren Informationen gespiegelt: Fundamentaldaten und Zukunftspotenzial eines Unternehmens, Marktstimmung, Angebot und Nachfrage sowie wirtschaftliche und branchenspezifische Einflussfaktoren.
Doch die Realität sieht anders aus: Der Markt ist nicht vollkommen effizient und Wertpapiere sind deshalb unter- oder überbewertet. Solche temporären Fehlbewertungen entstehen u.a. dadurch, dass neue Informationen, wie etwa Unternehmensnachrichten, nicht von allen Marktteilnehmenden gleichzeitig und vollständig verarbeitet werden. Übermässige Kursbewegungen können ihre Ursache aber auch in emotional statt rational gefällten Anlageentscheidungen haben. Solche Marktineffizienzen lassen sich mit einem systematischen Investmentansatz gezielt nutzen, um Renditepotenziale zu identifizieren.
Rationale Anlageentscheidungen
Ein systematischer Investmentansatz berücksichtigt bei der Zusammenstellung eines Portfolios eine Kombination ausgewählter Faktoren wie beispielsweise Bewertung, Qualität und Marktstimmung.
Die Vorteile gegenüber Investmententscheidungen, bei denen viele subjektive Einflüsse eine Rolle spielen, liegen auf der Hand. Dazu zählen nicht zuletzt Transparenz und Reproduzierbarkeit einer Strategie. Sie kann gezielt verfeinert oder weitergegeben werden. Dadurch reduziert sich die Abhängigkeit von einzelnen Personen eines Investmentteams deutlich. Der Anlageansatz lässt sich zudem recht einfach an neue Märkte oder ein verändertes Umfeld anpassen.
Faktorenbasiertes Anlegen
Bei der Auswahl der Aktien sollten verschiedene Faktoren genutzt werden, die auf bewährten Marktanomalien basieren und langfristig eine gute Performance erzielen. Zu den häufig verwendeten Faktoren gehören:
- Value: attraktive Bewertung
- Quality: hohe Unternehmensqualität mit stabilem Gewinn und geringer Verschuldung
- Sentiment: positive Marktstimmung, positiv gestimmte Analysten, die Gewinn- und Kursziele nach oben revidieren
- Momentum: gute Kursentwicklung in der jüngeren Vergangenheit
Mathematische Modelle und Algorithmen nehmen die Auswahl der Aktien auf der Basis dieser Faktoren vor. Quantitative Modelle sind hoch effizient, weil sie grosse Datenmengen analysieren können, unvoreingenommen auf Marktveränderungen reagieren und subjektive Einflüsse minimieren.
Renditepotenzial bei Small und Mid Caps
Mithilfe vordefinierter Faktoren werden Unternehmen analysiert. Damit lassen sich die attraktivsten unter ihnen ermitteln. So gehören beispielsweise Unternehmen ins Portfolio, die ein hohes Wachstumspotenzial aufweisen, fair bewertet sind und für die der Markt positiv gestimmt ist. Die richtige Kombination der Faktoren ist für den Erfolg des Portfolios entscheidend, da sie sich in unterschiedlichen Marktphasen ausgleichen können. Sie reagieren auch unterschiedlich schnell. Value und Quality verändern sich eher langsam und bewerten grundlegende ökonomische Aspekte. Sentiment und Momentum entwickeln sich stärker preisbasiert und reflektieren die Marktlage.
Für Aktien von Schweizer Small und Mid Caps ist das aktuelle Marktumfeld interessant, denn im Vergleich zu grossen Firmen sind sie fair bewertet und nach einigen Jahren mit schwächerer Performance besteht Aufholpotenzial. Die Aktienkurse kleinerer Unternehmen sind zwar volatiler und daher oft mit grösseren Risiken verbunden; dank höherer Renditen können diese Risiken jedoch langfristig kompensiert werden. Häufig sind Mid- und Small-Cap-Aktien von Analysten weniger intensiv abgedeckt als Large Caps. Das kann zu ineffizienten Bewertungen führen. Dennoch sind solche Inputs wertvoll, da sie sich mit quantitativen Modellen gezielt weiterverarbeiten lassen.
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