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Setzt sich die Erholung in den Schwellenländern trotz Donald Trump fort?

24.01.2017

Claudia Bernasconi, Senior Economist Emerging Markets von Swiss Life Asset Managers

Nach den Schwierigkeiten im Jahr 2015 und Anfang 2016 hat sich die Verfassung der Schwellenländer im Verlauf des letzten Jahres verbessert: Sie haben den Schock der tieferen Rohstoffpreise mehrheitlich verdaut. Die politischen Probleme haben in einigen Ländern den Höhepunkt erreicht. Die Situation in China hat sich stabilisiert. Dies stellt uns nach der Wahl von Donald Trump vor die Frage, ob der neue US-Präsident diese Erholung verhindern wird.

Ein gemässigter Trump verhindert die Erholung nicht
Nach der Wahl von Donald Trump bleiben viele Unsicherheiten bezüglich seiner künftigen Politik bestehen. Wir gehen davon aus, dass er weniger extreme Massnahmen ergreifen wird, als er während des Wahlkamps angekündigt hat. Seine Rhetorik hat sich nach der Wahl geändert, zumindest teilweise. Zudem werden die gut funktionierenden Institutionen der USA gewisse Vorhaben des neuen Präsidenten „zähmen“. Ein solch gemässigter Trump dürfte die Wachstumserholung der Schwellenländer, welche Anfang 2016 begonnen hat, nicht verhindern. Die Erholung ist hauptsächlich durch das Abklingen der Rezession in Brasilien und Russland getrieben. Diese Schwergewichte wurden von schweren Schocks getroffen: Dem Fall der Rohstoffpreise und gravierenden politischen Problemen. Die Schocks lassen jedoch allmählich nach, was dem Wachstum der Schwellenländer zugutekommt. Die Situation wird allerdings eher „weniger schlecht“ als „besser“. Überdies ist ein gemässigter Trump ein geringerer Schock für das Gesamtwachstum der Schwellenländer als eine der schwersten Rezessionen in Brasilien und Russland und ein Fall der Rohstoffpreise. Daher glauben wir nicht, dass Donald Trump die Erholung verhindern wird. Wir haben jedoch immer eine langsame Erholung erwartet, da diverse Probleme bestehen bleiben, wie beispielsweise die tiefen Rohstoffpreise, politische und strukturelle Schwierigkeiten. Der neue US-Präsident wird die Schwellenländer vor weitere Herausforderungen stellen.

Wie wirkt sich die Präsidentschaft von Donald Trump auf die aufstrebenden Länder aus?
Insgesamt ist der Wahlsieg von Trump eine schlechte Nachricht für die Schwellenländer. Das Ausmass des Einflusses auf die einzelnen Länder variiert jedoch stark. Es gibt vier Kanäle: Erstens, die Anfälligkeit auf globale Widrigkeiten ist wieder im Fokus. Wie in 2013 steigen die US-Zinsen und der Dollar. Dies bringt Länder mit Leistungsbilanzdefiziten und hohen Auslandsschulden wie beispielsweise die Türkei oder Südafrika unter Druck. Zweitens würden allfällige protektionistische Massnahmen Länder mit wichtigen Handelsbeziehungen zu den USA belasten, zum Beispiel China oder Mexiko. Drittens hängt die Sicherheitslage in Osteuropa und Asien von der US-Aussenpolitik ab. Schliesslich gibt es noch eine positive Auswirkung für Rohstoffexporteure: die Preise von Industriemetallen sind in Erwartung von US-Infrastrukturprojekten gestiegen.

Chinas Massnahmen gegen die Verlangsamung
Die chinesische Regierung hat das Wachstum erfolgreich stabilisiert. Die Stabilisierung ist jedoch nicht nachhaltig, da sie durch das alte Modell von Kreditschöpfung, Infrastrukturprojekten sowie einer Ankurbelung des Immobiliensektors erreicht wurde. Für 2017 erwarten wir eine Wachstumsverlangsamung. Die Regierung wird dieser Verlangsamung im Vorfeld des wichtigen Kongresses im Herbst jedoch entgegenwirken indem sie die Wirtschaft mit Staatsausgaben unterstützen wird. Die Aufwertung des Dollars nach den US-Wahlen hat den Yuan stark unter Druck gebracht. Die Zentralbank versucht erneut, eine zu starke Abwertung zu verhindern. Wir gehen nicht davon aus, dass Donald Trump harsche Massnahmen gegen China ergreifen wird, da das Reich der Mitte für die USA und die Weltwirtschaft von zu grosser Bedeutung ist.

Sind Anlagen aus Schwellenländern noch attraktiv?
Zum ersten Mal seit der grossen Rezession wird im Jahr 2016, das Wachstumsdifferential zwischen Schwellen- und Industrieländern wieder klar zugunsten der aufstrebenden Länder ansteigen. Laut IWF sollte das Wachstumsgefälle in den kommenden Jahren stetig grösser werden. Dies erhöht die Attraktivität von Schwellenländer aus einer fundamentalen Perspektive. Ausserdem sind aufstrebende Länder heute weniger anfällig auf steigende US-Zinsen, da viele Volkswirtschaften seit 2013 ihr Leistungsbilanzdefizit reduziert haben. Dies erhöht deren Attraktivität insbesondere an den Anleihenmärkten, da wir nicht von einem rapiden Anstieg der US-Zinsen ausgehen. Da die Kreditprämien in vielen Regionen (z.B. Asien) seit Dezember 2016 deutlich zurückgegangen sind, ist das Potenzial für eine weitere Einengung dieser Märkte limitiert. Andere Regionen, wie zum Beispiel Lateinamerika oder Osteuropa bleiben auf einer relativen Basis attraktiver. In der kurzen Frist erwarten wir in allen Regionen eine erhöhte Volatilität. Wie oben beschrieben, gibt es grosse Unterschiede zwischen den aufstrebenden Ländern. Daher ist ein aktiver Investment-Ansatz im derzeitigen Umfeld zentral.